Das Jahr 2007
ereignisreich, herausfordernd und zugleich erfreulich berührend
Berichte und Neuigkeiten für unsere Paten und Spender
2007 war ein sehr bewegtes Jahr für uns alle - für die Kinder, Obed, den „Vater“ der Waisen, seine Frau Chong und für uns.
Am Ende werden Sie sehen, wie es uns allen gemeinsam möglich war, die verwobenen Fäden des Lebensspiels zu entwirren und eine übersichtliche Situation zu schaffen.
Als wir heute, am 8. Dezember 2007, in die lachenden, entspannten Gesichter blickten, können wir Ihnen kaum beschreiben, wie tief wir uns gefreut haben. Vielleicht sollten wir es auch eher als einen Seufzer der Erleichterung bezeichnen. Es hatte sich so viel in den letzten Monaten im Leben der Kinder ereignet. Wir haben sehr mit ihnen mitgefühlt.
Alles hatte damit begonnen, als Obed vom Vermieter die Kündigung eingereicht bekam. Es täte ihm leid, doch er bräuchte die Räumlichkeiten nun selbst. Obed hatte nun noch zwei Monate Zeit, um sich nach einer neuen Bleibe umzusehen. Nach einigem Suchen tat sich eine Möglichkeit auf: ein Haus war frei geworden! Voller Vorfreude und Neugier stiegen Bharati, Sabine, Eric und ich in ein Taxi ein und fuhren quer durch Bangalore. Mit dem Taxi ist das ganz angenehm, denn die gute Federung mildert die rauhen Stöße von den mit Schlaglöchern übersäten Straßen Indiens ab. Der Vermieter erschien auch nach indischer Zeit und schloss die Tür auf. Wir betrachteten die Räume, nun gut, ein Wasserhahn tropfte, ansonsten war es ganz nett farbig gestrichen. Doch so richtig überzeugt waren wir nicht. Die Hochspannungsleitung führte direkt über das Haus.
Doch bevor wir weitererzählen, müssen wir ihnen die Baracken vorstellen, jene Bleibe, in denen die Kinder zu diesem Zeitpunkt untergebracht waren. Sie hatten bereits ihre alte Wohnung räumen müssen und waren daher kurzfristig in einen einfachen Rohbau eingezogen. Den Ort ihres Asyls sahen wir das erste Mal, als wir, im Anschluss an unsere erste Hausbesichtigung, die Kinder besuchten.
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Wir hatten die vorübergehende Bleibe der Kinder „die Baracken“ getauft. Denn für uns war es nicht mehr oder weniger. Es ähnelte einem halbfertigem Schuppen, in dem gerade einmal alle Platz zum schlafen fanden. Es war wirklich sehr eng und sie müssen sich das so vorstellen, dass für die Nacht die Matratzen auf den Gängen ausgerollt wurden und die Kinder wie die Sardinen, einer neben dem anderen, schliefen. Für die Habseligkeiten war kein Platz mehr. Sie mussten zum größten Teil draußen gelagert werden.
In den Baracken schlug uns eine dicke warme Luft entgegen, denn die Moskitoinvasion machte das abbrennen von Moskitocoils (Moskitogift) unabdingbar. Die Jungen wollten uns eigentlich etwas Gutes tun, als sie den Ventilator anschalteten. Doch auf einen allgemeinen Hustenanfall hin schalteten wir den Ventilator sofort wieder aus. ...
Bis zu dem Zeitpunkt, dass sie die Baracken wieder verließen, sollten die Matratzen gammelig und verschlissen, die 3-stöckigen Metallbetten gerostet und ein großer Teil der Kleidung unbrauchbar geworden sein, da die regenreiche Zeit und der Platzmangel keine bekömmliche Kombination war. Doch die Kinder wohnten ohne Murren auf engstem Raum zusammen, der Schlaf- und Lernplatz zugleich war. Etwas, was uns sehr beeindruckte.
Nun weiter in unserer Erzählung. Unser gesamtes Team auf indischer Seite flog nach dem Haus- und Barackenbesuch für einen Monat beruhigt nach Deutschland. Obed und den Kindern war ein Dach über dem Kopf gesichert. Wir veranlassten dank Ihrer Spenden eine Überweisung, denn in Bangalore beträgt die Kaution für eine Mietwohnung 10 Monatsmieten (!). Das muss sich eine indische Familie erst einmal leisten können.
Als wir wieder kamen, wohnten Obed und die Kinder immer noch in den Baracken, jedoch schon sehr nah am Auszugsdatum. Das neue Haus hatten sie nicht bezogen. Der Vermieter hatte die Miete nach dem Erscheinen der reichen Westler drastisch angehoben, woraufhin Obed Abstand von dem Haus nahm, da diese Zahlungsforderungen nicht bezahlbar waren.
Es begann eine unglaublich nervenaufreibende Zeit. Obed hatte bereits über 30 Häuser bzw. Wohnungen angesehen und keiner war bereit 28 Kinder zu beherbergen. In unseren Telefonaten mit ihm konnten wir seine tiefe Beunruhigung hören, dass sich seine Stimme nicht zeitweise überschlug. Was konnten wir tun? Unser Erscheinen schien nur die Preise in die Höhe zu treiben. Nein, diese Situation musste er selbst managen. Wir konnten nur Mut zusprechen und Hoffnung geben. Glücklicherweise waren die Vermieter der Baracken Obed gewogen und verlängerten die Auszugsfrist um 5 Tage. Die prikäre Lage fiel übrigens in die Prüfungszeit der Kinder.
Es tat sich ein nicht wirklich überzeugender Notanker auf – ein Vermieter war bereit 15 Kinder zu nehmen. Obed hätte noch eine zweite Wohnung in der Nähe finden müssen. Das war nicht wirklich das Wahre. Der Mieter wolle innerhalb von 4 Tagen eine Zusage haben.
Dann kam die Rettung. Das glaubten wir zumindest. Kurz auf knapp hatte Obed wieder ein leer stehendes Haus gefunden, in dem er drei Appartements mieten konnte. Das war drei Tage vor Verstreichen der Auszugsfrist in den Baracken und 2 Tage vor Verstreichen der Entscheidungsfrist für die Wohnung. Die Gegend war nicht schön, unweit des Hauses befand sich eine riesige Grube, wo früher Granit abgebaut wurde. Durch die regenreiche Zeit war sie am Grund mit Wasser gefüllt und da das Loch wieder geschlossen werden sollte, verschwand allerhand darin, auch Müll. Diese Kombination verbreitete einen bestialischen Gestank.
Die Gegend war allgemein mit Abfall übersät, zudem war sie noch nicht vollständig erschlossen, sodass die Kinder auf Trinkwasserzulieferung per Laster angewiesen waren. Doch all das war das geringere Übel als auf der Straße zu landen oder gar zurück nach Manipur zu gehen, welches auch heissen kann das einige Kinder als Kindersoldaten trainiert werden, selbst ohne Zuwilligung geschehen dort solche furchtbaren Dinge.
So weit, so gut. Nur blieben Obed und die Kinder auch in dieser Bleibe nicht lange. Die Situation wurde unerträglich. Nach ein paar Wochen rief uns Obed an und sagte: „Ich bleibe hier keinen Tag länger als es sein muss. Ich bin auf der Suche nach einer neuen Wohnung. Ich halte es nicht mehr aus.“
Welch Botschaft. Die starken Regenfälle hatten die einem Feldweg anmutende Straße in ein lang gezogenes Schlammloch verwandelt, das kein Fahrzeug mehr passieren konnte, die Kinder hangelten sich auf dem Schulweg an den Mauern entlang zur Hauptstraße, der Gestank war unerträglich geworden, das Wasser lief die Innenwände der Appartements hinunter und das Erdgeschoss, stand zeitweise unter Wasser. Von Seiten des Vermieters kam wenig Resonanz. Obed und die Kinder begannen ihren Wasserspeicher mittels Eimerketten vom Wassertanker aufzufüllen. Durch die lange Wartezeit forderten die Wasserzulieferer mehr Geld.
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Die fieberhafte Haussuche ging erneut los. Dieses Mal schon zermürbt. Drei Kinder waren inzwischen an Hepatitis erkrankt, das dreckige Wasser wurde mehr und mehr zu einer richtig dramatischen Gesundheitsgefahr. Zum Glück kam Obeds älterer Bruder zusammen mit seiner Frau, um im Haus zu helfen. Es war für Obeds Frau, Chong, schwierig geworden, die Situation zu managen, zumal sie die meiste Zeit alleine war. In dem Moment, wo sie selbst ausfiel, war keine andere Person für die Kinder da.
Wir waren so froh, als wir hörten, dass Obed wieder eine Aussicht hatte. Wohnraum über zwei Stockwerke. Auch die Kinder wurden akzeptiert. Nach geringfügigen Problemen konnten sie einziehen. Das ist das Haus, wo wir gerade sitzen und vielleicht verstehen Sie nun unsere Freude, von der wir eingangs gesprochen haben.
All die Tragik wurde immer wieder von Lichtblicken aufgelockert, die die Hoffnung wieder entflammen ließen und Obed neuen Mut gaben, weiter für eine Zukunft der Waisenkinder zu kämpfen. Mittlerweile leben die Kinder dank Ihrer Spenden auf zwei Stockwerken in einem schönen Haus. Der Platz reicht, die Gegend ist sauber. Die Miete ist sogar niedriger. Die Garage konnte zu einem Wohnraum ausgebaut werden, den sich nun die ältesten Jungs teilen. Die Kinder mussten also nicht zurück nach Manipur gehen. Sie freuen sich sehr darüber und das haben sie uns schon mehrfach zum Ausdruck gebracht.
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Mit den Spendengeldern konnten wir ausserdem einem Jungen den Gang auf eine höhere Schule finanzieren. Da die Waisenkinder einer ethnischen Minderheit, dem Kuki-Stamm, angehören, reserviert die Regierung einen geringen Prozentsatz an Stellen für diese Bevölkerungsgruppen.
Der Knackpunkt ist nur, dass es die Betreffenden bis zu diesem Ausbildungsstandard schaffen müssen. Die höhere Schule dauert 2 Jahre und kostet ca. 500 Euro. Danach ist der Betreffende für ein Studium zugelassen, was erneut kostet.
Mit Ihren Spendengeldern haben wir auch neue Matratzen, Kleidung und Schulausrüstung kaufen können. Die Kinder haben sich sehr darüber gefreut. Bald haben alle Kinder ein eigenes Nachtlager, da neue 3-stöckige Betten bestellt sind.
Die Kinder erfreuen sich wieder guter Gesundheit.

Die Kinder und wir danken Ihnen sehr für Ihre Mithilfe,
ohne die alldas nicht möglich gewesen wäre.
Ihr Lakshmi Team
1. Vorsitzender Falk Scheube
2. Vorsitzender Marc Burger
Bharati Corinna Glanert
Iris Neugebauer
Arlette Burger
Frank Burger
Sylvia Burger
Steven Ketscher
Ina Burkart
Eric Hamilton
Sabine Thurner

Unsere Vision





